Hier sollen demnächst Schüler ihre Lesetipps an ihre Mitschüler weitergeben.
Bis dahin hier ein Link zu einer Buchempfehlungsseite
Lesen
Schüler sollen lesen, das weiß man nicht erst seit "PISA". Viele Schüler wollen aber nicht lesen, sie finden "Lesen" doof und langweilig. Die Lehrer müssen sich fragen, wie und was bieten sie den Schülern an. Werden die Jugendlichen zum Lesen angeregt oder eher abgeschreckt.
Hier zwei Antworten auf die Frage: "Was ist Literatur?" Sie werden gegeben von zwei sehr unterschiedlichen Typen: dem Jugendlichen Benjamin Lebert aus "Crazy" und dem Professor Bellavista aus Luciano de Creszenzos "Die Zeit und das Glück". Vielleicht hilft uns die Beantwortung dieser zwei bei der Suche und der Auswahl der Literatur für unsere Schüler.
| Was ist Literatur »Ist das Literatur?« frage ich. »Ich schätze schon«, antwortet Janosch. »Was ist denn Literatur?« frage ich. »Literatur ist, wenn du ein Buch liest und unter jeden Satz ein Häkchen setzen könntest - weil es eben stimmt«, erklärt Janosch. »Weil es eben stimmt?« wiederhole ich. »Das verstehe ich nicht.« »Wenn jeder Satz einfach richtig ist, glaube ich«, antwortet Janosch. »Wenn er etwas von der Welt preisgibt. Vom Leben. Wenn du bei jedem Absatz das Gefühl hast, daß du genauso gehandelt oder gedacht hättest wie die Romanfigur. Dann ist es Literatur.« »Woher weißt du das?« frage ich. »Das denke ich mal so«, antwortet Janosch. »Das denkst du mal so?« wiederhole ich. »Dann ist es bestimmt ein Scheiß. Ein Literaturprofessor würde mir bestimmt etwas anderes erzählen. Wie viele Bücher hast du denn schon gelesen?« »Zwei vielleicht«, antwortet Janosch. »Zwei vielleicht? Und du erzählst mir etwas von Literatur?« »Na, du wolltest doch etwas hören», entgegnet Janosch. »Und außerdem, glaube ich, ist das alles zu kompliziert. Davon verstehen nicht einmal Leute etwas, die etwas davon verstehen müßten. Warum machen wir uns also Gedanken darüber? Laß uns einfach lesen. Aus Freude am Lesen. Und aus Freude am Verstehen. Und laß uns nicht darüber nachdenken, ob es Literatur ist oder nicht. Das können andere tun. Wenn es tatsächlich Literatur ist, dann um so besser, Wenn nicht, dann ist es auch scheißegal.« »Ganz meine Meinung«, entgegne ich. Und wieder schlage ich das Taschenbuch auf. Aus: Benjamin Lebert: "Crazy" |
Über das Lesen Aber ich bin voll und ganz deiner Meinung: Es ist eine Unart, Bücher, die einem selbst gefallen haben, anderen aufzwingen zu wollen. Der sicherste Weg, Schülern das Lesen zu verleiden, besteht darin, sie zur Lektüre eines bestimmten Buches zu verpflichten. Sie werden es hassen. Ideal wäre es, sagen wir, ein Dutzend vorzustellen und den Schülern die Auswahl zu überlassen. Fast jede Lektüre ist geeignet, Hauptsache, die jungen und Mädchen werden mit dem Lesen vertraut. Auch Krimis von Agatha Christie, Liebesgeschichten von Liala oder Romane von Simenon, ja, vor allem die Romane von Simenon.» «Ganz genau», pflichtet Alessia mir bei. «Aber nehmen wir einmal an, du solltest einen Schüler davon überzeugen, dass ihm ein Buch mehr geben kann als eine Daily Soap. Wie würdest du argumentieren?» «Ich würde ihm sagen, dass eine Soap-Opera seiner Phantasie keinen Raum lässt. Er sieht alles - die Gesichter der Darsteller, die Kostüme, die Schauplätze ... Bei einem Buch aber kann er sich, egal, wie gut der Autor schreibt, gewisse Dinge nur vorstellen. So wird seine Phantasie angeregt und kann sich weiterentwickeln. Liest er den Roman Schuld und Sühne, muss er sich das hochmütige und später verzweifelte Gesicht des jungen Raskolnikow vorstellen oder auch das der alten Wucherin, die er so kaltblütig umbringt. Sieht er dagegen eine entsprechende Fernsehverfilmung, kann er nebenbei noch andere Dinge tun, zum Beispiel Erdnüsse knabbern oder telefonieren. Mit anderen Worten: Während der Leser geistig tätig ist, ist der Fernsehzuschauer nur ein träges Tier.» Aus: Luciano De Creszenzo: "Die Zeit und das Glück" |

